Branchenbilanz: Umsatz mit Bio um 10 Prozent gestiegen

Aktualisiert: Feb 13


2019 stellten täglich durchschnittlich fünf Bauern ihren Betrieb auf ökologische Landwirtschaft um. Das gab der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz des Sektors auf der Biofach bekannt. Weitere Ergebnisse im Überblick.

Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen stellten deutsche Bäuerinnen und Bauern 2019 rund 107.000 Hektar (+ 6,6 Prozent) auf ökologische Landwirtschaft um. „Die Bauern setzen dabei besonders oft auf die sehr hohen Öko-Standards der Bio-Verbände. Mit über 1 Million Hektar bewirtschaften die Verbandsbauern jetzt fast zwei Drittel der gesamten deutschen Bio-Fläche“, sagt Röhrig. Auf jedem der insgesamt 1.622.103 Bio-Hektar schützen Öko-Landwirte Böden, Gewässer, Klima und Artenvielfalt. „Ökologie und Ökonomie gehen mit Bio erfolgreich Hand in Hand“, so der BÖLW-Geschäftsführer.

Fast 13 Prozent der Bauern wirtschaften bereits ökologisch

Mittlerweile wirtschaften 33.698 Betriebe bzw. 12,6 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ökologisch. 6,3 Prozent mehr Höfe kamen allein 2019 hinzu. In Deutschland musste seit 2005 im Schnitt jede Stunde ein landwirtschaftlicher Betrieb seine Tore für immer schließen – im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Bio-Höfe fast verdoppelt.

Bio-Umsatz steigt auf rund 12 Milliarden Euro

Große Dynamik auch am Bio-Markt: „2019 investierten die Deutschen knapp 10 Prozent mehr und damit insgesamt 11,97 Milliarden Euro in Bio-Lebensmittel und -Getränke. Ob Naturkostfachhandel oder im Discounter, ob Vollsortimenter oder bei den Direktvermarktern: Bio punktete in allen Vertriebswegen“, kommentiert Peter Röhrig vom BÖLW die starke Bio-Nachfrage an der Ladenkasse. „Immer mehr Menschen wollen unsere Bäuerinnen und Unternehmer stärken. Die Kundinnen und Kunden setzen sich mit dem Griff zu Bio für unser Klima, für Biene und Feldhase, die artgerechte Haltung von Kühen, Huhn und Co. und die Gesundheit ihrer Familien und der Umwelt ein.“

Naturkostfachhandel 0,3 Prozentpunkte weniger Marktanteil

Der Naturkostfachhandel konnte seinen Umsatz . Am gesamten Bio-Markt erreichte der Naturkostfachhandel mit einem Umsatzplus von 8,4 Prozent einen Anteil von 26,6 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 26,9 Prozent.

Auch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) griffen immer mehr Menschen zu Bio bei ausgeweiteten Sortimenten. Der Umsatz kletterte auf insgesamt 7,13 Milliarden Euro (+ 11,4 Prozent). In den sonstigen Geschäften kauften die Kunden Bio-Produkte für 1,66 Milliarden Euro (2018: 1,58 Mrd. Euro, + 5 Prozent).

Viel gekauft in 2019: Die höchsten Öko-Umsatzanteile am gesamten Lebensmittelmarkt erreichten Bio-Mehl mit 26 Prozent, -Eier mit 23 Prozent und -Konsummilch mit 14,4 Prozent. Das größte Umsatzplus erzielten die Händler 2019 mit Bio-Kartoffeln, -Milchrahmerzeugnissen und -Gemüse (je über 20 %).

Weitgehend stabile Erzeugerpreise

Die Erzeugerpreise für die meisten Bio-Produkte sind trotz einer größeren Produktion stabil geblieben oder nur leicht gesunken. Beispiel Bio-Milch: Trotz 19 Prozent höherer Produktion im Jahr 2018 und rund 7 Prozent mehr Bio-Milch im Jahr 2019 schwankte der Milchpreis nur geringfügig. Erst ab dem Frühjahr 2019 gaben die Preise um 2 Ct/kg nach – um im Oktober 2019 wieder auf über 47 Ct/kg zu steigen. 2016 und 2017 wurden rund 48 Ct/kg ausgezahlt. Am konventionellen Markt schwankte der Milchpreis zwischen 23 Ct/kg im Sommer 2016 und 39 Ct/kg im Herbst 2017 – und lag zuletzt bei rund 33 Ct/kg. Die stabilen Erzeugerpreise sprechen für die anhaltend gute Nachfrage – vor allem auch nach heimischen Bio-Produkten – und für die häufiger geschlossenen langfristigen Kontrakte zwischen Landwirten und Verarbeitern.

Belohnen von Gemeinwohlleistungen eröffnet Chancen

„Damit auch neue Unternehmen die Bio-Chance nutzen können, müssen Bundesregierung und Länder den politischen Rahmen konsequent auf die auszurichten, die Gemeinwohlleistungen erbringen“, kommentiert BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein die Entwicklung in der Landwirtschaft und am Markt. Es komme darauf an, die gesamte Wertschöpfungskette mitzudenken und zu stärken – also von der Bäuerin über den Müller und Bäcker bis zum Einzelhändler. Löwenstein: „Damit unsere Regionen resilient sein können, braucht es wirksame Strukturpolitik. Denn Resilienz braucht Vielfalt. Und dezentrale, vor allem kleine und mittelständische Verarbeitungsunternehmen und Händler bieten Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit zu fairen Partnerschaften auf Augenhöhe.“

Großes Potenzial für heimische Landwirtschaft und gute Ernährung biete die Außerhausverpflegung. Denn immer mehr Menschen essen auswärts – in der Kantine, im Supermarkt-Bistro, in Restaurants oder Mensen. „Nachhaltig essen mit Bio-Produkten ist ein Zukunftstrend“, so der BÖLW-Vorsitzende. „Bringt man beide Entwicklungen zusammen, kann ein großes Potenzial freigesetzt werden: für die gesunde Ernährung vom Kindergarten bis ins Seniorenheim und für heimische Bio-Bauern.

Regierung muss an entscheidenden Stellschrauben drehen

Löwenstein weiter: „Die EU-Agrarpolitik bestimmt mit Milliarden, welche Landwirtschaft sich lohnt. Wichtig ist, dass mindestens 70 Prozent der Agrargelder an freiwillige Umwelt-Leistungen gebunden werden. Heimische Standards dürfen nicht durch Handelsabkommen wie Mercosur ausgehebelt werden. Nur wenn die Regierungen all diese Stellschrauben drehen, können Bundesministerin Julia Klöckner und ihren Kolleginnen und Kollegen in Bund und den Ländern das Ziel von Nachhaltigkeitsstrategie und GroKo-Koalitionsvertrag von 20 Prozent Bio bis 2030 überhaupt erreichen.“ Entscheidend sei es laut Löwenstein, dass das neue Bio-Recht, dass ab 2021 gelten wird, vernünftig ausgestaltet wird. „Die Beratungen zur neuen EU-Öko-Verordnung sind in vollem Gange. Bei Kontrolle, Importen, Verarbeitung und Tierhaltung liegt noch viel Arbeit vor uns, um zu einem besseren Bio-Recht zu kommen.“

Ein wichtiger Schlüssel für eine erfolgreiche Zeitenwende liege auch in einer Stärkung von Öko-Forschung und -Entwicklung. Weiterhin liege der Anteil der staatlichen Investitionen in diesem Bereich bei unter 2 Prozent - trotz des Ziel von 20 Prozent-Bio. Bio in Kennzeichnung von Fleisch integrieren

Für den Umbau der Tierhaltung sei neben grundsätzlich höheren Standards und deren Finanzierung auch Transparenz auf den Produkten notwendig. Löwenstein: „Bio ist das Haltungssystem, das Premium-Tierwohl, Schutz des Grundwassers und der Artenvielfalt, Akzeptanz bei den Kundinnen und Kunden sowie Zukunftsperspektiven für die Betriebe kombiniert. Bio muss deshalb bei einer Kennzeichnung von Fleisch integriert werden und eine eigene Stufe sein – und Fleisch nach Vorbild der gelernten, verbreiteten und erfolgreichen Eierkennzeichnung gelabelt werden.“

Tipp: Alle Branchenstatistiken in der Broschüre „Branchereport 2020 – Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ online auf www.boelw.de/biobranche2020.

Über den BÖLW Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. Mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken werden jährlich von über 42.000 Bio-Betrieben fast 12 Milliarden Euro umgesetzt. Die BÖLW-Mitglieder sind: Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, Bioland, Biokreis, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Demeter, Ecoland, ECOVIN, GÄA, Interessensgemeinschaft der Biomärkte, Naturland, Arbeitsgemeinschaft der Ökologisch engagierten Lebensmittelhändler und Drogisten, Reformhaus®eG und der Verbund Ökohöfe.

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