Wie Partner der Wertschöpfungskette stärken?



Dass es Demeter-Produkte demnächst überall im konventionellen Einzelhande (LEH) geben wird, wenn Vertriebspartner bestimmte Anforderungen erfüllen, ist Fakt. Nur Discounter sind noch außen vor. Jetzt sollen die Partner der Wertschöpfungskette gestärkt werden.


Auf dem Podium: Alexander Gerber, Demeter-Vorstand, Tina Andres, Geschäftsführerin EVG Landwege und Anja Frey, Völkleswaldhof. Moderation: Anne Flohr, Demeter.


Weil die Podiumsveranstaltung "Verbands-Bio im konventionellen Einzelhandel: Eine Standortbestimmung" nicht in der geplanten Besetzung durchgeführt werden konnte, hatte allein Demeter-Geschäftsführer Alexander Gerber Gelegenheit, das Vertriebskonzept seines Verbandes zu erläutern. "Wir entscheiden nach Kriterien und nicht nach Vertriebsstätten", betonte Gerber. Wer mindestens 1.200 Bio-Produkte im Sortiment hat und davon zehn Prozent mit Demeter-Zertifizierung oder zumindest mit einem dynamischen Wachstum von Demeter-Produkten, darf dabei sein, wenn weitere Anforderungen an Nachhaltigkeit, Information und Beratung erfüllt werden.


Verbandsbio schon im Discounter


Aldi ist mit 330 Bio-Produkten von der harten Einstiegsstufe bei Demeter noch weit entfernt und beschränkt sich bislang auf die EU-Bio-Eigenmarke.Weil zum Beispiel das Basis-Sortiment von Aldi-Süd nur rund 1.500 Produkte insgesamt  enthält, ist die Erfüllung der Demeter-Kriterien auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Auch wenn Demeter eine Hürde aufgestellt hat: Verbandsbio ist auch im Discounter keine Zukunftsmusik mehr: Lidl hat eine Partnerschaft mit Bioland begonnen und Norma wirbt mit Naturland-Produkten. Wo also bleibt der Fachhandel, wenn immer mehr konventionelle Vertriebsstätten Verbandsware einlisten? Kann er diesem Wettbewerb standhalten?


Demeter im Fachhandel wächst doppelt so stark wie der Fachhandel selbst


Alexander Gerber entgegnet der Kritik aus dem Fachhandel, wonach Bioladen-Kunden demnächst Demeter-Produkte nur noch im LEH kaufen: "Mit Demeter ist der Fachhandel in den vergangene zwei Jahren doppelt so stark gewachsen wie der Fachhandel selbst." Der Fachhandel habe durch die lange Partnerschaft einen Vorsprung gegenüber dem LEH, sei Demeter-Spezialist und in der Lage, prädestinierte Projekte voranzubringen. Der Fachhandel sei beispielgebend und habe weiterhin die Aufgabe eines Pioniers.


Veränderung der Wirtschaftsethik erforderlich


Vor dem Hintergrund, "dass die Welt brennt und glüht" und sich versteppt, verwüstet und überdüngt mit abnehmender Biodiversität präsentiere, seien 100 Prozent Bio erforderlich. Dazu müsse man den konventionellen Handel ins Boot holen. Gerber stellte auch klar, dass eine Änderung des Wirtschaftslebens vonnöten sei und zeigte sich hoffnungsvoll: "LEH-Mitarbeiter saugen die andere Art auf wie ein Schwamm." Der Wermutstropfen: "Wir krempeln die Konzerne nicht von heute auf morgen um."


Was passiert mit unseren Werten?


Tina Andres von EVG Landwege, die auch im BNN-Vorstand sitzt, berichtete, dass ihre Genossenschaft von der Einführung der Demeter-Vertriebsstrategie sehr überrascht gewesen sei. Sie äußerte sich nicht nur besorgt über mögliche Einbußen bei der Produktqualität, sondern auch bei den Werten. Jetzt sei es notwendig, ihre 30 Mitgliedsbetriebe stärker zu positionieren. Auch mit sinkenden Preisen rechnet sie und führte dazu das Beispiel von billigen Demeter-Bananen bei real an. "Wir brauchen das Geld, der LEH kann auch von den 90 Prozent konventioneller Ware leben."

Auch Andres hält 100 Prozent Bio und eine andere Wirtschaftsethik für erforderlich: "Der Ökolandbau braucht mehr Absatzwege, die unsere Werte zum Verbraucher transportieren."


Regionale Vermarktung richtiger Weg


Für Anja Frey vom Völkleswaldhof ist die regionale Vermarktung der richtige Weg. Die Preise selbst zu verhandeln sei aber mehr Arbeit, als einfach die Milch von der Molkerei abholen zu lassen - und sich dann womöglich über einen zu niedrigen Preis zu ärgern.Bei regionaler Vermarkung seien Vertriebsgrundsätze nicht erforderlich, wohl aber bei größeren Dimensionen. "Ich kann mir aber eine Kontrolle schwer vorstellen", gab sie zu bedenken. Gerber verwies auf eine Datenbank, an der seit drei Jahren gearbeite werde und den Verband in die Lage versetze, Verstöße gegen die Vertriebsgrundsätze schnell zu erkennen.


Verständigung darüber, was jeder in der Wertschöpfungskette braucht


In der anschließenden Diskussion wurde das ineffektive Liefersystem des Naturkostfachhandels angesprochen. Für diese Bewertung von Tina Andres gab es spontanen Beifall. Gerber schlug daraufhin vor, sich "vom Bauern bis zum Laden" zu verständigen, was jeder in der wertschöpfungskette braucht. "Händler wollen hohe Preise realisieren", kritisierte er und empfahl, dass sich Landwirte besser organisieren sollten, um ein ausgewogenes Kräfteverhältnis zu erlagen.


Text: Horst Fiedler

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